Wilhelm Holzhausen  Pitt Kreuzberg    
Ernst Kley

Die Silhouette eines Mannes, groß, hager, hebt sich ab gegen graue Wolkenformationen am Eifelhimmel. Der Mann steht leicht vorgeneigt vor einer Feldstaffelei am Rand der Straße, die bei Beilstein hinabführt ins romantische Hekkenbachtal.
Lange sucht der Maler, bis er diese Stelle findet. Immer wieder betrachtet er Waldrand, Hügelkup-pen, Weiden. Wacholderbüsche, weißleuchtende Fachwerkhäuser und das alte Basaltkreuz, bis er endlich seine Arbeit beginnt. Und in Sturm und Nieselregen, in wechselnden Lichtströmen über Tal und Hügeln, Steilhängen und chromoxidfarbenen Grünschattierungen entsteht sein Bild, Abbild der Ahr-Eifel-Heimat.

Er malte in groben, expressiven, vereinfachenden Pinselstrichen, in Kohlelinien oder in Aquarelltechnik verschwimmend Hügel. Konturen der Wälder, Gestein und Häuser in zartesten Übergängen und vollendet in der schwierigen Handhabung dieser seiner ureigenen Technik: zart, lyrisch, zuweilen klingend und verwehend wie ein Hauch.

Und so entstehen seine Landschaften vor Ort und weisen hin auf Dinge, Sichtweisen, Schwingungen, die weit hinausgehen über eine realistische Wiedergabe des Geschauten: die Landschaft wird umgeformt in Wesentliches. Sicher ordnet der Maler die Grundformen der Komposition, bestimmt er – dynamisch meist – die Rhythmik eines Bildes, setzt temperamentvoll die Farben, sucht Lichtwerte und Schattennuancen, trifft die Stimmung einer Landschaft, bringt ihre Größe und Dynamik oder die stumme Melancholie eines Spätherbsttages in sein Bild. So sind in seinen Werken notwendiges kompositorisches Gleichgewicht und spürbare Balance gewahrt, sind Effekte dunkler Zonen abgesetzt gegen Helligkeit.

In Neuwied 1913 geboren, verlebte der Maler Ernst Kley seine Jugendjahre in Trier. Vor seinem wissenschaftlichen und pädagogischen Studium an den Universitäten von Hamburg und Bonn erhielt der Künstler eine gründliche fachliche Ausbildung als Dekorations- und Glasmaler mit entsprechenden Abschlüssen. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er an den Werkkunstschulen in Trier und Hamburg, dort im Rahmen des Lehramtsstudiums für handwerkliche und künstlerische Berufe.

Er zählt zu den Gründern der Are-Künstler-Gilde. Seine eindrucksvollen Bilder hängen in vielen Häusern von Kunstliebhabern und Sammlern, schmücken die Räume öffentlicher Gebäude.

Ernst Kley ist vom Werdegang und der Person her ein Maler mit formaler Prägekraft. Er bedarf der ständigen Berührung mit der Natur. Nach einer ihm ganz gemäßen, adäquaten Schrift mit Feder, Blei, Kohle, Pinsel und Farben überwand er notwendige Distanz und verborgenen Skeptizismus auf dem langen Wege durch viele Entwicklungsphasen hindurch, auf seinem künsterlischen Lebensweg hin zur Autonomie seines ästhetischen Bewußtseins.

Er malt die Rhein-Ahr-Eifelheimat unter den Bedingtheiten des Jahreskreislaufs, bestimmter Tageszeiten in stetig wechselndem Licht. Nie sind die Elemente solcher Bilder isoliert, sie zeigen sich verbunden mit den Gemütsschwingungen des Malers, kommen aus Tiefenbereichen, führen zu Prozessen einer verinnerlichten Wahrnehmung der Dingwelt und zu einer Wiedergabe, die letztlich mehr zeigt, mehr darstellt als die äußere Form. Er nutzt dabei Wirkungen des Gegensätzlichen, bezieht sie bewußt und gekonnt ein in sein gestalterisches Konzept.

Auf dem Gebiet der Portraitmalerei entdeckt man bei Ernst Kley ähnliche gestalterische Intentionen wie sie typisch sind für seine Landschaftsbilder.
So gelingen ihm Portraits, die Charakte-ristisches aussagen über die Person, die er malt, werden deren Züge belebt, wandeln sich Landschaften wie menschliches Antlitz zu gleichsam anderen neuen Gebilden tieferer Aussagekraft.

Immer ist der Künstler Ernst Kley auf der Suche gewesen. In seinem Wesenskern ist er ruhelos.
Vielleicht liegt darin einer der Gründe für sein oft überbrodelndes Temperament aus der Fülle dessen, das in ihm lebt an Konturen.