Wilhelm Holzhausen  Ernst Kley    
„Don Quischotte“
Das Wonhaus des Künstlers
Pitt Kreuzberg in seinem Atelier
Ausblick auf das Maar
Der Grabstein
Pitt Kreuzberg
Sitzender weiblicher Akt – 1909
Krieg und Frau – 1917
Kornreife – 1922
Schwäne im Schnee – 1948
Sonnenblumen mit rotem Boot am Schalkenmehrener Maar – 1957
Apotheose – 1966

Visionen des Schicksals unserer Erde...

Für ihn, für Pitt Kreuzberg, gilt ein Dürerwort aus den Aufzeichnungen der Niederländischen Reise: „Hör, du Ritter Christi, reit herbei neben den Herrn Christum, beschütz die Wahrheit!“

Die Wahrheit liebend und oft auch für sie leidend – das war Pitt Kreuzberg.
Es war für Ahrweiler eine Bringschuld, seiner zu gedenken, und das geschah repräsentativ – derart vollgültig, wie es Pitt Kreuzberg zu Lebzeiten nie beschert war, obgleich er hochgeachtet war bei Kennern der Kunst. Die Bringschuld löste die Are-Künstlergilde für ihr Gründungsmitglied ein, auf noble Weise förderte die Ausstellung die Kreissparkasse, deren Vorstand wissen läßt, das Haus stünde auch in Zukunft für solch wertvolle Ausstellungen offen.

In der Wilhelmstraße wurde Pitt Kreuzberg geboren, er besuchte die Lateinschule des Dr. Peter Joerres im Weißen Turm, wo Pitt Kreuzberg bei Exkursen über die unregelmäßigen Verben oft zum Himmel hinauf sah, denn da waren Wolken und Licht und Atmosphäre. Dies alles wollte er malen! Den seidigen Hauch, die Weite, die Unendlichkeit, die Gewitter, den Nebel, den Abendbrand der untergehenden Sonne, denn tausendfältig sind die Farben der bunten Welt.

Sechzehn Jahre alt, wandert der den Farben verfallene Pitt Kreuzberg aus dem Niedertor hinaus. Er studiert an den Akademien Düsseldorf und München, ist Weggenosse von Otto Pankok, Werner Gilles und Max Ernst, wird einer der trunkenen Revolutionäre des „Jungen Rheinland“ und der „Rheinischen Sezession“.

Er siedelt sich am Schalkenmehrener Maar an, doch ein Rückzug ist das nicht, denn hier findet er die Landschaft, die Wahrheit der Landschalt und die Wahrheit der Dinge. Das stille Maar vor allem. Grandios solch ein Maar im Sommer, doch auch im Herbst nebelverhüllt mit Schwaden über dem Wasserspiegel wie Geister über den Wassern. Er malt das Maar und die Eifel, wenngleich er alles andere als ein gängiger Eifelmaler geworden ist. Landschaft ist für ihn Schicksal, Gleichnis, Offenbarung. Sein Leben sind Phasen. Expressive und andermal verwandelte Innigkeit der Farben.

In seinen achthundert hinterlassenen Bildern sind religiöse Gedanken einer Christusbruderschaft eingebettet, zaghaft, zögernd, zaudernd. Wenn auch an dieses Maar gebunden, das er als Auge Gottes in dieser, seiner Erde sieht, ist er der Welt nicht abgetan. Er sieht das Schicksal der Erde, sieht und malt Eruptionen und Explosionen, als ahne er die Bombe von Hiroshima. Er spüre, so hat er mir einmal an einem dunklen Novemberspätabend gesagt, das Beben der Erde. Vom einstigen Vulkanismus, der dieses Maar gebar, aber auch eine berstende Erde der Hybris von Hiroshima. Wer so seismographische Sinne besaß wie Pitt Kreuzberg, war Ahnender, Verkündender, Warnender. Seine Seele war Schauplatz für Verheißungen oder künftige atomare Katastrophen. In ihm müssen sich Kämpfe der Seherschaft abgespielt haben, die man nur in Widerspiegelungen seiner Bilder ablesen kann.